Philosophischer Buchpreis 2026
Das Buch „Das Gesetz des Vertrauens. Zu den Wurzeln des Rechtes“ (Erste Auflage, Karl
Alber Verlag 2026) des Rechtsphilosophen Tommaso Greco wird mit dem Philosophischen
Buchpreis 2026 ausgezeichnet. Das Thema des diesjährigen Buchpreises lautet „Vertrauen“.
Bereits der Buchtitel ist programmatisch: „Das Gesetz des Vertrauens“. Greco setzt
dem vorherrschenden Realitätsparadigma in den Rechtstheorien ein Vertrauenspara-
digma entgegen. Das Buch beginnt mit dem Satz: „Das Vertrauen wartet auf seinen
Platz im Recht und fordert dabei sein Recht ein“. Vertrauen – so Greco – sei das Fun-
dament des Rechts. Ohne Vertrauen verliere es seine Legitimität und Wirksamkeit. Die
Krise der Institutionen des Rechts, die wir gegenwärtig erleben, sei eine Krise des Ver-
trauens.
Das Recht fordere uns dazu auf, einander zu vertrauen. Es motiviere uns, „uns so zu
verhalten, wie es den Erwartungen der Menschen entspricht, mit denen wir in Bezie-
hung treten.“ Durch diese Neuperspektivierung, so Greco, würden die Bürgerinnen
und Bürger sich ihres eigenen Staatsbürgerseins erst bewusst. Schließlich würden sie
erst durch das Vertrauen in die gemeinsame Verantwortung gezogen.
Grecos Essay ist ein Plädoyer für eine verantwortungsvolle Rechtskultur, die er von
einem dominanten juristischen Machiavellismus absetzt. Nur auf der Basis einer sol-
chen Kultur ließen sich die Potenziale des Rechts für das Zusammenleben freisetzen.
Dazu müsste allerdings das Rechtsverständnis von der einseitigen Fixierung auf
Furcht und Sanktionen abgelöst und für die Dimensionen der Verantwortung, Solida-
rität und Anerkennung geöffnet werden.
Um das auszudeuten und ein neues Vertrauensparadigma zu begründen, bezieht sich
Greco nicht nur auf Größen der italienischen und nicht-italienischen Rechtstheorie, er
nimmt auch Anleihen bei verschiedenen Philosophen. Damit bietet das Buch viele Öff-
nungen zu philosophischen Debatten über Solidarität, Geschwisterlichkeit und Aner-
kennung. Bedenkenwert sind viele seiner Überlegungen, etwa die, dass eine sich aus-
breitende Regelexekution im Recht einer Digitalisierung des Rechtssystems Vorschub
leiste. Dann wäre es nur noch ein kleiner Schritt, bis Richter durch KI ausgetauscht
werden würden.
Der rechtsphilosophische Essay ist gerade für Nicht-Juristen sehr gut lesbar. Ein wich-
tiges Buch zur richtigen Zeit.
Prof. Dr. Tommaso Greco wurde 1968 in Caloveto (Kalabrien-Italien) geboren. Er ist
Professor für Rechtsphilosophie im Fachbereich Jura der Universität zu Pisa und Lei-
ter des fachübergreifenden Zentrums für Bioethik.
